Eigentlich ist die öffentliche Meinung der Ansicht, Politiker sollten grundsätzlich alle Termine mit der U-Bahn wahrnehmen (auch solche im Ausland, wie eine große Tageszeitung ernsthaft als Abstimmungsmöglichkeit vorschlägt). Gleichzeitig sollten Sie möglichst keinerlei Sicherungsmaßnahmen bekommen, da sie ja ohnehin selber schuld sind, dass der eine oder andere „durchgeknallte“ Bürger sie oder ihre Familie bedroht.
Nun kann ich diese Debatten in der Öffentlichkeit gut verstehen, bedienen sie doch ohnehin vorhandene und immer wieder gern geschürte Vorurteile.
Wenn ich aber in den letzten Tagen so manchen Kommentar in den Online-Medien lese, geht mir dann doch der Hut hoch.
In jedem Urlaub im Ausland wundere ich mich immer wieder wie viele Firmenwagen an so mancher Fähre neben mir stehen. Offensichtlich ist der Fahrer nicht gerade auf einer Service-Tour, sondern verbringt den Urlaub mit seiner Familie in Firmenwagen im Ausland. Das ist auch ganz in Ordnung so. Wo ist da der Unterschied zu einem Minister bzw. Senator?
Offenbar glauben viele Zeitgenossen, das Sicherungsmaßnahmen für einzelne Politiker seien unangemessene Statussymbole und würden den Geschützten auch noch Spaß machen. Sie vergessen, dass die Einschätzung einer Bedrohungslage für einen Menschen und seine Familie nicht unbedingt zu den angenehmen Seiten des öffentlichen Lebens gehört. Wer sich einmal kurz zurück erinnern mag, der sollte sich auf die Attentate auf Oskar Lafontaine, Wolfgang Schäuble oder Roger Kusch in Hamburg besinnen. In der Regel geistig verwirrte Menschen, die zu einer schrecklichen Gefahr werden können.
Wenn in Hamburg ein Innensenator nach einer Einschätzung der Fachleute vom LKA einen solchen Personenschutz braucht, dann sollte man bitte nicht auch noch verlangen, dass er ihn aus eigener Tasche bezahlen muss. Dummerweise halten sich potenzielle Attentäter nicht an die Dienstzeiten.
Aus einer solchen bedauerlichen Notwendigkeit eine „Dienstwagen-Affäre“ zu machen, zeugt davon, das Politiker immer mehr zu „medialen Freiwild“ in dieser Gesellschaft werden.