Kein Wahlstift in Hamburg

Nun haben es die Gegner des Digitalen Wahlstiftes (DWS) also geschafft. Hamburg wird gute 10 Mio Stimmen nach dem 24.Februar per Hand auszählen. Was hier jetzt von manchem Mitglied und Sympathisanten des CCC als Sieg der Demokratie verkauft wird, ist in Wirklichkeit ein schwerer Rückschritt. Die technischen Probleme, die jetzt zu lösen sein werden, überschreiten die bisherigen vermeintlichen Eingriffsszenarien der IT-Kritiker bei weitem.

Jetzt werden wir in der Wahlnacht über 6000 Wahlurnen quer durch Hamburg transportieren müssen, um sie dann nachfolgend in den Messehallen über mehrere Tage auszuzählen. Wie leicht dort einen “vermeintlicher” Innentäter mal eine Urne oder ein paar Stimmen “verschwinden” lassen kann, möchte man sich lieber gar nicht erst vorstellen. Besonders nicht die SPD, denn die hat ja bereits beste Erfahrungen mit verschwundenen Stimmzetteln.

Auch das viel gelobte öffentliche Auszählen, wird jetzt zu einer Farce reduziert. Natürlich  werden die Wahlvorstände auch in den riesigen Messehallen “öffentlich” auszählen. Aber wer wird schon mitten in der Woche zu solchen zentralen Auszählung fahren, wenn er bisher am Wahlabend in seinem Wahllokal dabei sein konnte. Natürlich freue ich mich auf die Verwendung von Kilometer von Papier. Denn Verwendung von Taschenrechner oder gar noch schlimmer Excel-Tabellen werden ab jetzt bei Wahl ausgeschlossen sein. E wird bestimmt lustig, wenn die Kommentatoren des Wahlabends die ersten Zahlen nicht mehr mit Charts auf dem Bildschirm illustrieren, sondern die Sitzverteilung mit Hilfe eines Eddings auf ein Blatt Papier zeichnen.

Back to roots…die Athener Tonscherben waren doch eigentlich auch ganz schön…und zerschlagenenes Porzellan haben wir doch jetzt reichlich.

4 Antworten auf “Kein Wahlstift in Hamburg”

  1. Sebastian Möller sagt:

    Sehr geehrter Herr Voet,

    evtl. fehlt mir das nötige Insiderwissen, aber wie fanden bisher Wahlen in Hamburg statt? Warum stellt das Auszählen dieses Mal ein größeres Problem dar? Es wäre nett, wenn Sie diesen Umstand im Blog aufklären konnten.

    Ich finde es zumindest bedenklich, wenn Technik-Begeisterte, die im Gegensatz zu Ihnen und mir auch technische Details bewerten können, sich gegen eine neue Technik wehren.
    Mir erscheint es irgendwie beruhigend, dass (Papierwahl-)Stimmen erneut gezählt werden können, wenn nach der Auszählung Unstimmigkeiten auftauchen. Natürlich lassen sich trotzdem Wahlen manipulieren. Aber mit dem Wahlstift ist das mit geringem Aufwand großflächig möglich, bei der Papierform sind in jedem Wahllokal Wahlhelfer als Innentäter nötig. Da erscheint es mir erheblich schwerer die Wahlen zu manipulieren. Aus welchem Grund sehen Sie das anders?

    “Back to roots…” Alles was alt ist, ist schlecht und alles, was man mit Computern machen kann, wirkt modern und ist gut? Das pauschale Gegenüberstellen von neu und alt erscheint mir doch oberflächlich.

    Vorteile der elektronischen Wahl sehe ich nur zwei: Schnelle Ergebnisse und Kostenersparnis.

    Für mich persönlich ist es egal, wann das Ergebnis vorliegt. Innerhalb von 2-3 Tagen sollte die Auszählung möglich sein und diese kurze Wartezeit hat bis jetzt noch jeder ausgehalten.

    Die Kostenersparnis finde ich weniger kritisch. Wahlen dürfen ruhig mehr Geld kosten, wenn die Bürger dadurch das Gefühl haben, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Gibt es Studien, die Kosten der beiden Alternativen Papierwahl und elektronische Wahl vergleichen (inkl. Folgekosten wie Papierbeschaffung, sichere Lagerung und Beaufsichtigung der Wahlstifte, Druck der Wahlzettel…)?

    Über eine Antwort in Ihrem Blog würde ich mich freuen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Sebastian Möller

  2. Sebastian sagt:

    Die Tatsache das blinder Glaube in technologischen Fortschritt vor allem aus der Richtung von nicht-Ingeneuren/Technikern/Wissenschaftlern kommt überrascht mich immer wieder.
    Hören Sie auf Menschen die sich mit der Thematik auskennen und nicht auf Ihr Bauchgefühl.

  3. Hanno Zulla sagt:

    Meine Hochachtung vor der Hamburger Bürgerschaft (inkl. der CDU), dass sie sich nun gegen den Wahlstift ausgesprochen hat. Es ist anzuerkennen, dass man nun endlich zugibt, auf das falsche Pferd gesetzt hat. Politiker, die ihre Fehler eingestehen können, sind mir allemal lieber als solche, die eine frühere Fehlentscheidung unter allen Umständen bis zum bitteren Ende durchsetzen müssen.

    Herr Voet van Vormizeele, IT-Fachleute haben sich vor Ihnen den Mund fusselig erklärt, dass und warum der Wahlstift keine gute Idee ist. Die Gegner des Wahlstiftes wie der CCC sind COMPUTERFREAKS. Das sind Leute, die sich für Computer BEGEISTERN. Macht es Sie noch immer nicht stutzig, dass Leute, die beruflich und in ihrer Freizeit fast ausschließlich mit Computern arbeiten, dass solche Leute einen Computer auch mal ablehnen?

    Ich bitte deshalb auch Sie, nun erhobenen Hauptes die Fehlentscheidung pro Wahlstift als Fehlentscheidung abzuhaken und sich dem eigentlichen Problem zuzuwenden:

    Warum hat Hamburg ein Wahlrecht, das so kompliziert ist, dass man es Ihrer Meinung nach nur mit Hilfe eines prinzipbedingt nicht vertrauenswürdigen Computers auszählen kann?

  4. Paul Hornoew sagt:

    Sehr geehrter Herr Voet,

    ich bin weder Mitglied im CCC noch einer Partei oder sonstigen politischen Vereinigung. Als einfacher, unbescholtener Bürger muss ich Ihnen leider sagen, dass ich Ihre Behauptungen absolut nicht nachvollziehen und akzptieren kann.

    Wären Sie kein Abgeordneter, sondern einer meiner Bekannten oder Freunde, dann würde ich Ihnen sogar sagen, dass Sie Unsinn reden. Aber so weit gehe ich nicht, da wir uns nicht persönlich kennen und außerdem die Höflichkeit gegenübern Abgeordneten das verbietet. Aber vielleicht macht es Sie ja etas nachdenklich, wie Sie und Ihre Behauptungen von normalen Bürgern empfunden werden.

    Setzen Sie sich doch bitte lieber für mehr Bürgerrechte ein und dann steigen Sie auch wieder in der Gunst der Bürger (= Wähler).

    Mit freundlichen Grüßen,

    Paul Hornoew

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